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Freuden des jungen Werther

 Freuden des jungen Werther; in der Mitte Werther und Lotte, links Albert, rechts der Amtmann
 Foto: Daniel Chodowiecki;
Lizenz: gemeinfrei

Freuden des jungen Werther

 Freuden des jungen Werther; in der Mitte Werther und Lotte, links Albert, rechts der Amtmann
 Foto: Daniel Chodowiecki; Lizenz: gemeinfrei

Der Lebenskünstler Werther zieht aus der Stadt in das ländliche Dorf Wahlheim, um die Natur zu genießen. Auf der Fahrt zu einer Tanzveranstaltung kommt er in das Haus des verwitweten Amtmannes, der ihn zuvor schon mal eingeladen hatte. Dort verliebt er sich sofort in dessen Tochter Lotte, die sich reizend um ihre acht jüngeren Geschwister kümmert. Beim Tanz kommen sich Werther und Lotte näher, aber die Freundinnen der jungen Frau erinnern sie an Albert. Wie Werther nun erfährt, ist Lotte mit diesem Albert so gut wie verlobt. Da die beiden frisch Verliebten jedoch während eines Gewitters an die gleiche Ode von Klopstock denken, fühlt sich Werther mit Lotte seelenverwandt.

Albert befand sich zu der Zeit auf einer Geschäftsreise und nach seiner Rückkehr kommen die beiden Männer zunächst gut miteinander aus. Doch bald merkt Werther, dass er durch Albert in seiner Liebe zu Lotte eingeschränkt wird, und zieht sich vorerst aus Wahlheim zurück.

Er erhält eine Stelle bei einem Gesandten des Hofes. Dort ärgert er sich aber nur über das kritische Verhalten seines Vorgesetzten sowie die adelige Etikette und kommt zu der Erkenntnis, dass er nicht in diese Gesellschaft passt. Da er als Bürgerlicher kein Ansehen hat, kündigt er die Stelle und kehrt nach einem Zwischenaufenthalt beim Fürsten nach Wahlheim zurück.

Lotte hat mittlerweile Albert geheiratet, was Werther nicht davon abhält, seine Geliebte zu besuchen. Das junge Ehepaar ist genervt und bittet Werther, vier Tage zu warten. Werther hält sich nicht an die Frist und geht erneut zu Lotte. Er liest ihr selbst übersetzte Gedichte über Ossian vor. Dadurch kehren bei beiden die alten Gefühle zurück, doch nach den ersten Küssen flieht Lotte. Werther will sie nun nicht weiter belästigen. Stattdessen plant er seinen Selbstmord. Mit einer Pistole, die er von Albert geliehen hat, schießt er sich in der Nacht vor Heiligabend in den Kopf, während Lessings Tragödie „Emilia Galotti“ auf seinem Schreibtisch liegt. Dem Selbstmörder steht kein christliches Begräbnis zu.

 Literarische Analyse

Der Werther war Goethes erster großer Erfolg. Bei den jungen Lesern entwickelte sich der ebenso emotionale wie tragische Briefroman zum Kult. Manche Leser identifizierten sich sogar so intensiv mit der Geschichte, dass sie wie Werther Selbstmord begingen, was dem Autoren heftige Vorwürfe von religiös und moralisch geprägten Kritikern einbrachte. Goethe selbst wählte reale Vorbilder für seinen Bestseller. Der Dichter war unglücklich in Charlotte Buff verliebt, die in der Fiktion zu Lotte wurde. Der Jurist Karl Wilhelm Jerusalem lieferte durch sein Lebensende das Vorbild für Werthers Suizid.

Die tragische Liebesgeschichte das wohl bekannteste Werk des Sturm und Drang. Der Protagonist Werther ist ein typischer Vertreter dieses Genres. Er bewundert die Natur ebenso wie die literarische Kunst und kann seine sehr intensiven Gefühle für Lotte nicht kontrollieren. Dass die beiden Verliebten an Klopstock denken, ist kein Zufall. Der Dichter steht stellvertretend für die sogenannte Empfindsamkeit. Der Verweis auf Lessing beim Suizid ergibt auch einen Sinn, weil in dem erwähnten Trauerspiel der Konflikt zwischen dem Bürgertum und dem Adel behandelt wird, unter dem Werther ebenfalls leidet.

Der Briefroman ist „ wie der Begriff schon sagt “ in Briefe unterteilt, in denen Werther von seinen Erfahrungen und Gefühlen berichtet. Zwischenzeitliche Kommentare eines fiktiven Herausgebers sorgen dafür, dass die Briefe noch realistischer wirken. Nach dem tödlichen Schuss und Werthers letzten Worten an Lotte fasst der Herausgeber die abschließenden Ereignisse zusammen und endet mit dem Hinweis, dass die Beerdigung ohne geistlichen Beistand stattfand. Werther sorgte schon innerhalb des Romans für Kontroversen.

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