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MSchnitzler2000 - Raab - Im Studio
Petrus war launisch an diesem Dienstag im Mai. Er schickte uns Sonne, Regen und Wind in ständigem Wechsel. Aber das Wetter war nur eine Randnotiz. Im Mittelpunkt des Interesses stand der Studiobesuch bei TV total. 14.15 Uhr am Bahnhof Düren. Der Zug fährt ein, das Abenteuer beginnt. Eine halbe Stunde später treffe ich meinen Vetter am Kölner Hauptbahnhof. Bis dahin ist Zeit genug, die bisherigen Ereignisse und Pläne zu reflektieren. Der Anstoß erfolgte am Abend der Mainacht. Mein Cousin, der die Raab'sche Show mit ähnlichem Interesse verfolgt wie ich, brachte den Vorschlag, die Sendung einmal vor Ort zu verfolgen. Keine Frage, da bin ich dabei. Schließlich hatten wir bereits gemeinsame TV-Erfahrung gesammelt, als wir ein paar Monate zuvor in Hürth eine Aufzeichnung von „Genial daneben“ erlebten. Zwei Protagonisten spielten übrigens auch bei unserem zweiten Besuch in einem Fernsehstudio eine wichtige Rolle. Unser Plan war also klar, jetzt mussten wir uns nur noch für einen Termin entscheiden. Unsere Wahl fiel auf einen Dienstag, da an diesem Wochentag immer das Quiz „Blamieren oder Kassieren“ stattfindet. Vielleicht könnte ich ja gegen Raab antreten und ein paar Euros gewinnen, dachte ich mir. Die Hoffnung musste ich allerdings sieben Tage vor unserer Tour nach Köln begraben. Die Kandidatin Lody gewann das wohl dramatischste und spannendste Duell in der Geschichte von „Blamieren oder Kassieren“ und durfte somit als Titelverteidigerin erneut antreten. Somit kann ich an dieser Stelle auch nicht die interessante Frage klären, wie ein neuer Kandidat ermittelt wird. 1 Ankunft in „Klein-Istanbul“Bei der Ankunft am Bahnhof Mülheim herrschte für einen Moment Verwirrung, das einzige kleine Problem an diesem Tag. Nachdem wir in der Frankfurter Straße die Nahrungsaufnahme in einem bekannten Fastfood-Restaurant abgeschlossen hatten, begaben wir uns zum Studio. Bevor wir nach links in die Schanzenstraße einbogen, konnten wir noch einen Blick in das Zentrum von „Klein-Istanbul“ werfen. Die Keupstraße ist (u.a. durch diverse Außenaufnahmen von TV total) als Mittelpunkt der türkischen Bevölkerung im Kölner Stadtteil Mülheim bekannt.Als wir kurz nach 16 Uhr im Studiogebäude eintrafen, erwartete uns zunächst das bekannte Prozedere. Am Schalter anstellen, Eintrittskarten abholen, die Einverständniserklärung für die Bildrechte ausfüllen, Jacken und Handys an der Garderobe abgeben – all das kannten wir als erfahrene Studiobesucher bereits. Eine knappe Stunde nach unserer Ankunft wurden die Zuschauer dann schrittweise ins Studio gelassen. Wir passierten die Kontrolle à la Flughafen in der letzten Gruppe, womit sich auch meine zweite Hoffnung auf einen großen Auftritt zerschlug. Der Zugang befindet sich nämlich auf der Rückseite der Tribüne, die von unten nach oben aufgefüllt wird. Wir bekamen einen Platz in der obersten Reihe des rechten Blocks direkt am Mittelgang zugewiesen. Damit saßen wir zwar gegenüber der Treppe, aber nicht ganz vorne. Ich konnte somit nicht derjenige Zuschauer werden, der die Show mit Hilfe der Papptafel ansagt. Warm-up mit NilsBis alle Zuschauer ihre Plätze gefunden hatten, wurden wir musikalisch u.a. von Elton und Grup Tekkan unterhalten, die wir auf den zahlreichen Bildschirmen sehen konnten. Ja, es gibt nicht nur den bekannten Monitor hinter Raabs Schreibtisch. Halb verdeckt von der Stahlkonstruktion an der Decke hängt ein großer Bildschirm über der Showtreppe, außerdem gibt es noch einige kleinere Monitore über der Tribüne. Von meinem Platz aus hatte ich zwar kaum eine Chance ins Bild zu kommen (was sich am späten Abend beim TV-Studium bestätigte 2), aber dafür hatte ich einen guten Überblick.So hatte ich einen guten Blick auf den Mann, der nun die Bühne betrat. Es war zwar nicht Stefan Raab persönlich, aber auch dieser Mitarbeiter, der sich als Nils vorstellte, war mir nicht unbekannt. Regelmäßige Zuschauer erinnern sich vielleicht noch an den Bandcontest zweier Mitarbeiter, die vor rund zwei Jahren gegeneinander antreten. Einer von ihnen hieß Hauke, der andere stand nun vor uns. Zunächst mussten wir der Tonregie zeigen, wie laut und begeistert wir applaudieren können, dann wurde uns die Zeit mit einigen Videos aus der Reihe „Raab in Gefahr“ verkürzt. Wir sahen den Chef als Ansager beim Drive-in des amerikanischen Fastfood-Produzenten, als verzweifelten Passagier beim Kunstflug und als Gast im Kölner Zoo. Als die Band „Heavytones“, deren Mitglieder zuvor einzeln ins Studio eingelaufen waren, anschließend ihren aktuellen Titel „Caminando“ mit dem Venezolaner César als Sänger spielten, spürten wir, wie intensiv die Musik live vor Ort wirkt. Da vibriert der Boden sogar in der obersten Tribünenreihe. Raab, Turnschuhe und LarissaMit einem fliegenden Wechsel tauchte gegen 18.30 Uhr der Chef persönlich auf. Stefan Raab zeigte sofort, dass er ein Meister der Kreativität ist (oder: wie man aus Sch... Gold macht). Nachdem er ein paar Inzest-Witze mit dem aus Ginsheim im Hunsrück stammenden Bassisten Dominik erzählt hatte, entdeckte er, mit seinen Turnschuhen über den Boden schleifend, Ganz- und Halbtöne und spielte mit quietschenden Sohlen „Strangers in the night“. Neben diesen spontanen Späßen standen aber noch ein paar Pflichtübungen auf dem Programm. Raab erklärte dem Publikum, dass bei seinem Schulterzucken der Applaus sofort enden müsse, und sprach dann mit Frederik und Larissa aus Wachtberg bei Bonn. Die junge blonde Frau hatte im Vergleich zu mir zwei unschätzbare Vorteile. Sie sah viel attraktiver aus und saß auf dem richtigen Stuhl. Somit qualifizierte sie sich für den Job als Ansagerin. Nun gab es nur noch ein paar Tests für die Kameras, die mit weißen T-Shirts und Schmuckstücken für den Weißabgleich und die Schärfe-Einstellung sorgten. Dann konnte gegen 18.40 Uhr die eigentliche Aufzeichnung beginnen.Stand-up mit Bär und UhrBei seinem Stand-up zu Beginn der Show beschäftigte sich Raab zunächst mit dem zum Abschuss freigebenen Bären in Bayern und setzte eine Belohnung für den Skalp des WM-Maskottchens Goleo aus. Anschließend zeigte er einen Kommentar des DFB-Managers Oliver Bierhoff, der die Mannschaftsaufstellung mit der filigranen Struktur einer Uhr verglich, und schritt selbst zur Tat, indem er eine Uhr zertrümmerte. Nun war die Frage geklärt, warum im Mittelgang ein großer Vorschlaghammer stand. Wer schon immer wissen wollte, was während der Werbepause geschieht, dem kann ich nun sagen: Nichts besonderes. Die Band spielt ein paar Takte, die Pappen, die Raab bei der Moderation helfen, werden ausgetauscht und es werden ein paar Gläser für die Gäste auf den fahrbaren Schreibtisch gestellt.Minigolf mit Hella und HugoVom begeisterten Publikum begrüßt, betraten dann Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder das Studio. Für uns waren die beiden Moderatoren sozusagen alte Bekannte. Als am Montag nach einem Wochenende des vergeblichen Wartens endlich die Gästeliste für die neue Woche auf der Homepage www.tvtotal.de erschienen war, dachte ich mir nur: Na, die beiden kennen wir doch. Schließlich hatten wir Hella und Hugo schon bei „Genial daneben“ im Studio erlebt. Die verhinderte „Tutti Frutti“-Teilnehmerin aus Gummersbach überraschte Raab in Anspielung auf seinen Witz mit einer Goleo-Figur, aber Stefan verweigerte die Zahlung. Er wollte lieber über die am kommenden Donnerstag ausgestrahlte Minigolf-Show reden und prognostizierte dem dort mitspielenden Elton einen letzten Platz. Bei einem Schaukampf im Studio durfte der Showpraktikant nur als Caddie und Schiedsrichter mitwirken. Während Hella auf die korrekte Anwendung der Regeln achtete, nebenbei über ihre dekorative Fußball-WM-Begeisterung dozierte und die Band wegen fehlender musikalischer Untermalung für die müde Stimmung verantwortlich machte, gewann Raab das Spiel über zwei Bahnen. Hierbei erwies sich übrigens der große Bildschirm als willkommene Hilfe für mich als Zuschauer. So konnte ich gleichzeitig das Geschehen vor mir beobachten und die Details in der Nahaufnahme am Monitor erkennen, der übrigens das Fernsehbild inklusive aller Einblendungen zeigt.„Blamieren oder Kassieren“Nach der Verabschiedung der Gäste drückte Raab auf den Nippel. TV total-Fans wissen, dass diese keine sexuelle Praktik aus dem Kamasutra ist, sondern lediglich der Auslöser für einen Videobeitrag. Der Kurzfilm, der einen Mann beim Aufspießen eines Maulwurfs zeigte, diente allerdings nicht nur zur Unterhaltung des Publikums, sondern auch zum Zeitschinden. Währenddessen wurde nämlich der Tisch für „Blamieren oder Kassieren“ hereingetragen. Da die zweite Werbepause erst während des Quiz eingefügt wurde, verschwand Elton nicht hinter den Kulissen. Er streifte sich die rote Jacke einfach über die Golfkleidung und begrüßte Lody, deren Name Raab gleich zu einem Wortspiel mit dem finnischen ESC-Gewinner Lordi inspirierte. Mit dem Einmarsch der Kandidatin verband ich die Hoffnung, ins Bild zu kommen, aber die auf den Mittelgang gerichtete Kamera erfasste die oberen Reihen nicht. Dafür konnte ich, als ich später die Sendung bei ProSieben verfolgte, eine nicht unbedeutende Änderung feststellen. Vor einer Quizfrage ermahnte Elton die Kandidaten ausdrücklich, sofort nach dem Drücken des „Buzzers“ zu antworten. Raab spekulierte auf eine mathematische Aufgabe, es ging jedoch um einen Reim. Diese Diskussion wurde rausgeschnitten, weshalb für die TV-Zuschauer Lodys anschließende Bemerkung „Ich dachte, es käme was mit Rechnen.“ unverständlich erschien. Ansonsten verlief das Quiz ähnlich wie letzte Woche. Zwei Fragen vor Schluss lag Lody 200 Punkte zurück, ohne dass Raab davon profitieren konnte. Die vorletzte Frage beantwortete die Frau richtig, dann verwechselte Raab Bolivien und Kolumbien. Die entscheidende Schätzfrage: Wie viele Sprachen und Dialekte gibt es in Indien? Ich tippte auf eine dreistellige Zahl, weshalb Raab mit seinen 600 wohl näher dran war als Lody mit bescheidenen 26. In Wirklichkeit sind es sogar über 1000.Live dabei ist besserMit einer Schalte zur nachfolgenden Sendung „BIZZ“ und der Ankündigung der Gäste am Mittwoch endete die Aufzeichnung. Anschließend wurde noch schnell der „Trailer“ gedreht, der unmittelbar vor der Sendung erscheint. Kurz nach 19.30 Uhr verließen wir das Studio. Mit Apfeltasche und Eis gestärkt profitierten wir von einer Verspätung der Bahn und stiegen um 20.10 Uhr in den Zug.Damit endete ein erlebnisreicher Tag, der uns interessante Einblicke in die Welt des Fernsehens ermöglicht hat. Letztlich gilt hier das aus dem Sport bekannte Motto: Ein Ereignis im Fernsehen zu verfolgen, ist gut, aber im Stadion bzw. Studio live dabei zu sein, ist noch viel besser.
1 Ich habe auf meine Frage folgende Antwort von Tobias Block erhalten:
„Während Stefan noch oben in seinem Büro sich gemütlich das letzte Mettbrötchen reinpfeift und bevor die Warm-up Show mit dem Bassisten Dominik und dem inzestösen Hunsrück losgeht, wird ein kleines Casting durchgeführt, bei dem 2x2 Kandidaten gegeneinander um den einzigen freien Platz in der Show spielen. In der Regel wird der Kandidat mit den meisten Punkten dann von Stefan aus dem Büro beobachtet und kurz vor Beginn der eigentlichen Show wird er am „Platz“ von einem Tonmitarbeiter mit einem Mikrofon versorgt. Das Publikum ist natürlich immer auf der Seite des vermeintlichen Underdogs – und manchmal gelingt es ihm ja auch Stefan „alt“ aussehen zu lassen. Du musst also dein Können schon vorher beweisen.“ Vielen Dank für diese Info! 2 Die Videos zu dieser Sendung gibt es bei www.tvtotal.de. Letzte Änderung dieser Seite am
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