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MSchnitzler2000 - Sprache
Wer mehr über die Besonderheiten der deutschen Sprache erfahren möchte, sollte sich die Kolumne „Zwiebelfisch“ von Bastian Sick ansehen.
KommunikationIrgendeine Art von Kommunikation nutzen Menschen und Tiere, um sich zu verständigen. Man unterscheidet hierbei zwischen intraspezifischer (innerhalb einer Art) und interspezifischer (zwischen verschiedenen Arten) Kommunikation. Aber was bedeutet dieser Begriff eigentlich?Der Linguist Charles S. Pearce definiert es folgendermaßen: „Kommunikation liegt dann vor, wenn ein Organismus einem anderen Organismus ein Signal übermittelt, so dass dieser darauf angemessen reagieren kann.“
Die Sprache ist dabei eine spezielle Form der Kommunikation, die nur die Menschen besitzen. Der griechische Philosoph Plato beschreibt sie als
„ein Mittel, mit dessen Hilfe einer dem anderen etwas über die Dinge mitteilt“. Kratylos
In seinem Werk Sprachtheorie präsentierte Karl Bühler 1934 das sog. Organonmodell (gr. organon = Werkzeug, Mittel), um die sprachliche Kommunikation zu beschreiben. Demnach benutzt ein Sender ein Zeichen, um einem Empfänger einen Sachverhalt mitzuteilen. Bei der Zeichenbenutzung (Darstellungsfunktion) sagt der Sender auch, z.B. durch Tonhöhe, etwas über sich selbst aus (Ausdrucksfunktion) und kann etwas beim Empfänger bewirken (Appellfunktion).
Ein alternatives Schema präsentierte Roman Jakobson 1960 in Linguistics and Poetics. Bei seinem Kommunikationsmodell steht statt des Zeichens die Mitteilung im Mittelpunkt, die einen Zusammenhang (Kontext) erfordern. Beim Kontakt zwischen Sender und Empfänger über einen vokal-auditiven (bzw. bei Gebärdensprachen gestisch-visuellen) Kanal wird die Mitteilung vom Sender encodiert und vom Empfänger decodiert. Daraus folgt auch, dass der Code beiden bekannt sein muss. Für den Empfänger gibt es drei Möglichkeiten, auf sprachliche Mitteilungen zu reagieren. Entweder setzt er die sprachliche Kommunikation fort oder er reagiert auf andere Weise oder er zeigt kein erkennbares Verhalten. Aber auch die scheinbare Nicht-Reaktion ist bedeutend, denn Paul Watzlawick stellt ausdrücklich fest: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“
Zeichen, Schrift und TranskriptionWie bereits deutlich wurde, beruht die Kommunikation auf Zeichen und für die Sprache wurde das Zeichensystem der Schrift entwickelt. Die Linguistik (Sprachwissenschaft) benutzt spezielle Schriften, um alle Äußerungen angemessen wiedergeben zu können.Die Semiotik ist die Wissenschaft von den Zeichen. Der italienische Autor Umberto Eco, der sich nicht nur in seinem berühmten Roman Der Name der Rose mit Zeichen beschäftigt hat, definiert sie als „die Wissenschaft der Phänomene, die auf der Beziehung des Zurückweisens auf etwas anderes beruhen.“
Zeichen sind grundsätzlich dadurch definiert, dass ein darstellendes Element für etwas Dargestelltes steht (aliquid stat pro aliquo).
Der Logiker Charles Sanders Peirce unterscheidet drei Typen von Zeichen.
In seinem Werk Cours de lingustique generale (1916) beschreibt der Schweizer Linguist Ferdinand de Saussure das sprachliche Zeichen als arbiträre Kombination eines Lautbilds (signifiant) mit einem Konzept, einer Bedeutung (signifié). Man muss beide Seiten kennen, um das Zeichen zu verstehen. Diese bilaterale (zweiseitige) Beziehung wurde 1924 von den Briten Odgen und Richards zum semiotischen Dreieck erweitert. Nach diesem Modell stellt der Sprecher die Beziehung zwischen dem Zeichen und der außersprachlichen Wirklichkeit her. Auch wenn für die Linguistik die gesprochene Sprache grundlegend ist, so ist die Entwicklung der Schrift dennoch nicht uninteressant. Der Ursprung der Schrift liegt etwa 5000 Jahre zurück. Sie entwickelte sich aus bildhaften Darstellungen (Piktogrammen), die aber selbst noch keine Schrift waren, da bei ihnen keine eindeutige Zuordnung von sprachlichen Einheiten zu einzelnen Zeichen gegeben war. Die älteste erhaltene Schrift wurde um 3200 v.Chr. in Mesopotamien zur Repräsentation des Sumerischen benutzt. Es handelte sich um ein logographisches System, in dem einzelne Symbole Wörter darstellten. Die wichtigste Entwicklung in der Geschichte der Schrift war die Phonetisierung. Danach wurden anstelle ganzer Wörter nur noch einzelne Silben durch Schriftzeichen repräsentiert. Die syllabische Schrift entstand erstmalig um 1300 v.Chr. in den semitischen Sprachen, die u.a. von den Phöniziern benutzt wurden. Von letzteren übernahmen im 9. Jh. v.Chr. die Griechen die Schrift, die sie so änderten, dass die Zeichen nun einzelne Phoneme (Vokale und Konsonanten) darstellten. Damit war ein sehr flexibes Schriftsystem mit vergleichsweise wenigen Symbolen entstanden, das heutzutage von den meisten Sprachen verwendet wird - das Alphabet. Um lautliche Äußerungen schriftlich zu fixieren, bedarf es einer Transkription. Dies kann auf einfache Weise geschehen, indem man die offizielle Orthographie (Rechtschreibung) der jeweiligen Sprache benutzt. Allerdings ist diese Art der Umschrift für linguistische Zwecke nur sehr bedingt zu gebrauchen, da es verschiedene Schriften gibt und die orthographische Repräsentation vielfach von der Phonetik abweicht. Deshalb wird die Sprache mit der Lautschrift der IPA (International Phonetic Association) notiert. Eine Übersicht über das Internationale Phonetische Alphabet sehen Sie auf der unten angegebenen Seite. Mit diesen Symbolen lassen sich (nach Vorstellung der IPA) alle Sprachen einheitlich und phonetisch genau darstellen. Dabei können Linguisten zwischen einer breiten und engen Transkription wählen, je nachdem wie genau die Daten für ihre Zwecke sein müssen. Denn mit der IPA-Schrift können alle Details notiert werden, deren man sich als Laie noch nicht einmal unbedingt bewusst ist. SpracheToday's phrase /
Phrase des Tages brought to you by / präsentiert von phrasen.com
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen natürlichen Sprachen (z.B. Deutsch, Englisch) und anderen Arten wie z.B. Computersprachen. Im Laufe der Geschichte haben sich immer mehr Sprachen entwickelt, so dass die weltweite Anzahl unglaublich groß geworden ist. SprachtypologieDeutsch ↔ Englisch
Deutsch ↔ Französisch
Deutsch ↔ Spanisch
Deutsch ↔ Italienisch
Deutsch ↔ Chinesisch
Derzeit gibt es weltweit nach aktuellen Schätzungen über 6000 verschiedene Sprachen. Diese Vielfalt versuchen Linguisten in den Griff zu bekommen, indem sie die Sprachen vergleichen und klassifizieren. Dabei fassen sie verwandte Sprachen zu Familien zusammen.
Die bekannteste dieser Familien ist das Indogermanische (in der englischsprachigen Fachliteratur meistens als „Indo-European“ bezeichnet). Dies überrascht nicht angesichts der Tatsache, dass Englisch und die meisten anderen europäischen Sprachen dieser Familie angehören. Viele Forscher nehmen leider immer ihre eigenen Sprache als Grundlage, getreu dem Motto: „Take any language, for instance English.“ Das Indogermanische wurde im 19. Jh. entdeckt, als man lateinische und griechische Texte mit Sanskrit verglich und deren Verwandtschaft feststellte. Die Unterfamilien des Indogermanischen sind Germanisch, Italisch (Latein), Hellenisch (Griechisch), Keltisch, Hittite und Tocharisch sowie Balto-Slawisch, Albanisch, Armenisch und Indo-Iranisch. Nach dem lateinischen bzw. iranischen Wort für „hundert“ werden die ersten sechs als Centum-Sprachen, die restlichen als Satem-Sprachen bezeichnet. Die germanische Sprachfamilie verzweigt sich weiter in West-, Nord- (Skandinavisch) und Ost- (Gotisch) Germanisch. Das Westgermanische unterteilt sich wiederum in Hoch- und Niedergermanisch. Aus der ersten Gruppe entstanden das heutige Hochdeutsch und das Yiddische, aus der zweiten Englisch, Niederländisch, Plattdeutsch und Friesisch. Die wichtigste und schönste Varietät der deutschen Sprache ist das Kölsche. Nähere Infos zu diesem Dialekt, der in und um Köln gesprochen wird, sehen Sie hier. Aus der italischen Sprachfamilie und damit dem Lateinischen gingen die sog. romanischen Sprachen Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch hervor. Eine weitere für Europa wichtige Sprachfamilie, die jedoch nicht mit dem Indogermanischen verwandt ist, ist die finno-ugrische Familie, dessen wesentliche Vertreter das Finnische und das Ungarische sind. Linguistische Anfänger überrascht die Tatsache, dass das Finnische enger mit dem geographisch weit entfernten Ungarischen als mit dem Schwedischen oder Norwegischen verwandt ist. Als isolierte Sprache hat sich zudem das Baskische in Spanien erhalten. Grundlegend für diese Entwicklung ist die Tatsache, dass sich die Sprache in einem ständigen Wandel befindet. Durch veränderte Lebensumstände und Kontakte zwischen einzelnen Sprachen können neue Varianten entstehen und andere verloren gehen. Deshalb ist es auch schwierig, eine Sprache in ihrem gegenwärtigen Zustand (also in der synchronen im Gegensatz zur historisch orientierten diachronen Betrachtung) zu untersuchen. Heiß diskutiert wird bis heute die Frage nach einer möglichen Ursprache, von der alle heutigen Sprachen abstammen (sollen). Als Ursprung der menschlichen Sprache wird von den meisten Forschern die Region des Kaukasus angesehen. Man kann Sprache jedoch nicht nur nach ihrer historischen Entwicklung klassifizieren, sondern auch nach Verwandtschaften bezüglich der grammatischen Struktur. So gehört bspw. das Deutsche zu den flektierend-fusionierenden Sprachen, die mehr oder weniger komplexe grammatische Funktionen durch Flexion (Beugung) ausdrücken. Bei agglutinierenden Sprachen wie dem Türkischen hingegen gibt es für jede Kategorie ein Affix (Vorsilbe, Endung); diese werden nacheinander an den Wortstamm angefügt. Bei isolierenden Sprachen werden die grammatischen Funktionen durch alleinstehende Hilfswörter ausgedrückt. Das Englische hat sich im Laufe seiner Geschichte immer mehr in diese Richtung entwickelt. Kompliziert - aus deutscher Sicht - sind die polysynthetischen Sprachen (z.B. Eskimo), bei denen es oft schwierig ist, zwischen Satz und Wort zu unterscheiden. Nach welchen Kriterien man die Sprachen der Welt klassifiziert, ist letzlich zweitrangig. Wichtiger ist es, die Vielzahl von Sprachen möglichst vollständig zu erfassen, denn nach Meinung vieler Wissenschaftler wird sich ihre Anzahl innerhalb des nächsten Jahrhunderts drastisch verringern. Für manche Sprachen gibt es nur noch zwei oder drei Sprecher. Bevor man sie untersuchen kann, muss man die Sprache also zuerst erhalten. SpracherwerbSprache ist speziesspezifisch für den Menschen, d.h. jeder Mensch kann problemlos in seiner Muttersprache kommunizieren. Dabei lernt er die Sprache nicht wie z.B. Mathematik oder Autofahren. Deshalb spricht man auch nicht vom Lernen einer Sprache, sondern vom Spracherwerb.Unterscheiden muss man dabei zwischen Erst- und Zweitspracherwerb. Letzterer bezieht sich auf eine von der Muttersprache verschiedene, also eine sog. Fremdsprache. Im folgenden beschäftige ich mich allerdings mit dem interessanteren Erstspracherwerb. Wie erlangen neugeborene Kinder die Fähigkeit, ihre Muttersprache zu benutzen? Für diese schwierige Frage gab es in der Geschichte der Linguistik (Sprachwissenschaft) verschiedene Erklärungsansätze, die aber später widerlegt werden konnten. Eine Theorie besagte, dass die Kinder einfach die sprachlichen Äußerungen ihrer Umgebung nachahmen. Dagegen spricht aber, dass unendliche viele Sätze gebildet werden können, auch ohne diese vorher gehört zu haben. Außerdem können ungrammatische Formen so nicht erklärt werden. Eine andere Erklärung basierte darauf, dass Kinder bei richtigen Äußerungen bestätigt und bei falschen korrigiert werden. Dagegen spricht die Tatsache, dass die Kinder zwar erfahren, dass sie etwas falsch gesagt haben, aber nicht was (Fehlen negativer Evidenz). Eine passende Erklärung lieferte in den 60er Jahren der berühmte und einflussreiche US-amerikanische Linguist Noam Chomsky vom Massachussetts Institute of Technology (MIT) in Cambrigde, MA. Der zentrale Begriff seiner Theorie ist die Universalgrammatik. Damit bezeichnet er ein jedem Menschen angeborenes System von Prinzipien und Parametern. Die Prinzipien sind grundlegende Regeln, die für alle natürlichen Sprachen gelten. Die Parameter hingegen sind sprachspezifische Möglichkeiten, die anhand des angebotenen Inputs ausgerichtet werden. Ein Prinzip lautet z.B., dass jede Phrase einen Kopf besitzt, und die Parameter entscheiden, ob der Kopf links oder rechts steht (was die Begriffe im Einzelnen bedeuten, ist nicht so wichtig). Dadurch ist auch verständlich, warum jeder Mensch seine spezielle Muttersprache erwirbt. Der Spracherwerb ist also abhängig davon, was in der Umgebung an sprachlichem Datenmaterial (also Input) vorhanden ist. Nach dem Hier-und-jetzt-Prinzip beziehen sich die sprachlichen Äußerungen der Kinder zuerst auf ihre unmittelbare Umgebung. Die Universalgrammatik erklärt auch die unbegrenzte Kreativität der natürlichen Sprachen; denn jeder Mensch ist grundsätzlich in der Lage, unendlich viele Sätze zu produzieren und zu verstehen, auch wenn er diese vorher noch nie benutzt oder gehört hat. Grundlegend für diese Vielfalt sind die Rekursivität der Syntax (Sätze können nach einem gleichbleibenden Schema beliebig erweitert werden) und die Möglichkeiten, mittels Komposition (Zusammensetzung) und Derivation (Ableitung) neue Wörter zu bilden. Das faszinierende und interessante Phänomen des Spracherwerbs liefert somit grundlegende Kenntnisse für die Erforschung der Sprache. weitere InformationenKommunikation
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